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120. Deutscher Ärztetag

Statements von den Delegierten

Vom 23. bis zum 26. Mai fand in Freiburg im Breisgau der 120. Deutsche Ärztetag statt. Die Delegierten des Deutschen Ärztetags schildern folgend ihre Eindrücke.

Dr. med. Hanjo Pohle

Dr. med. Hanjo Pohle:

Der diesjährige Ärztetag in Freiburg war aus meiner Sicht, als Hartmannbündler und Delegierter unserer Ärztekammer, ein voller Erfolg. Im Rahmen der Ziele des Hartmannbundes konnten wir 12 große Anträge platzieren, die von Patientensteuerung bis hin zur Verbesserung der Aus- und Weiterbildung reichten. Zwei Drittel wurden positiv beschieden und der Rest zur Bearbeitung an den Vorstand überwiesen. Eine rege Diskussionsbeteiligung unserer Delegierten machten uns als Brandenburger hör- und sichtbar in fast allen Tagesordnungspunkten, besonders aber in den Blöcken allgemeine Aussprache, Weiterbildung und Weiterentwicklung der Versorgung mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Bezüglich der Diskussion zur Novellierung der Weiterbildungsordnung war es mir ein wichtiges Anliegen, auf gewisse Schwächen in der Formulierung im Paragraphenteil hinzuweisen. Ein entsprechender Antrag, welcher auf die ungenauen Formulierungen beim Kompetenzerwerb von Fähigkeiten in den Facharztrichtungen hinwies und somit einen Kontinuitätsverlust in der Weiterbildungsordnung darstellte, wurde nach einer Beratung zur Bearbeitung an den Vorstand übergeben. Dieser muss nun klarstellen, ob es wirklich, nach jetziger Lesart, sinnvoll ist, dass z.B. ein Urologe im Gebiet Augenheilkunde Kompetenz für sein Fachgebiet erwerben kann und soll.

Ein sehr weitreichender Beschluss zur Prüfung einer Änderung im Fernbehandlungsverbot wurde nach meiner Meinung vorschnell und ohne hinlängliche Kenntnis der Sachlage gefasst und hat das Zeug, die Versorgungslandschaft erheblich zu verändern. Es ist nach meiner Überzeugung unbedingt notwendig, einen unmittelbaren Bezug von Arzt und Patient beizubehalten. Eine Fernbehandlung ist bei bekannten Patienten schon heute möglich, weitere Spezialkonstellationen, wie Notfall etc., sind auch schon geregelt. Beim ausschließlichen Kontakt nur über Medien, ohne die Möglichkeit der Untersuchung, ist es nicht realisierbar, qualitativ hochwertige medizinische Betreuung aufrechtzuerhalten. Das Risiko für Patient und Arzt, bei unbekannten Patienten Fehldiagnosen aufzusitzen bzw. weitere notwendige medizinische Maßnahmen zu verzögern ist größer, als der Hype, nun über ein System an Telemedizin zu verfügen. Leider waren die meisten Delegierten regelrecht berauscht und beschlossen diesen Richtungswechsel, die brandenburgischen Delegierten sahen dies zutiefst skeptisch und stimmten dagegen. Diese Veränderung in der Berufsordnung halten wir für unnötig und schädlich. Brandenburg wird sich daran nicht beteiligen.

Richtungsweisende Beschlüsse zur GOÄ waren geprägt durch konstruktive Hinweise, aber auch durch ein neues Grundvertrauen, das es im Bundestagswahljahr doch gelingen muss, durch eine konsentierte GOÄ-Novellierung ein starkes Signal an Politik und Gesellschaft zu senden.

In der Weiterbildungsdebatte war der Erhalt des Allgemeinen Chirurgen gegen den Widerstand aller Spezialisierungsbefürworter genauso bemerkenswert, wie die Stärkung der allgemeinmedizinischen Ausbildung, die nun 24 Monate in Praxen für Allgemeinmedizin neben den anderen weiteren Abschnitten zu erfolgen hat. Insgesamt ein grandioser Erfolg der parlamentarischen Legislative.

Prof. Dr. Ulrich Schwantes

Prof. Dr. Ulrich Schwantes:

Ein harmonischer, gut organisierter und straff geführter Ärztetag.

Einer der Haupt-TOP war ohne jeden Zweifel das Thema „Digitalisierung im Gesundheitswesen“. Hervorragende Referenten, Sascha Lobo und Frau Prof. Woopen führten in die Thematik ein. Ihre Vorträge entfachten eine anhaltende Diskussion, wobei im Mittelpunkt stand, dass die Ärzteschaft die Digitalisierung mitgestalten will. Gemessen an der überwiegenden Zurückhaltung gegenüber z.B. der elektronischen Gesundheitskarte auf den vergangenen Ärztetagen, war das eine neue Haltung. Insbesondere wurde aber auch verdeutlicht, dass mit den neuen Medien eine riesige Menge an Informationen gesammelt wird, die wahrscheinlich auch kommerziellen Zwecken zugeführt werden. Persönliche, gesundheitsbezogene Daten der Patienten bedürfen nach meiner Auffassung weiterhin der Beziehung zum Arzt. Die Bedeutung der gewonnenen Daten für den Einzelnen wird auch zukünftig nur im Gespräch zwischen Patient und Arzt geklärt werden können.

Ein anderes großes Thema war die Vorstellung des aktuellen Standes der GOÄ-neu. Auch hier scheint die Konfliktbereitschaft deutlich verringert. Der Paragrafenteil, auf dem Sonderärztetag noch Gegenstand heftigster kontroverser Debatten, wurde, so wie schon vor einem Jahr geplant, nahezu lautlos beschlossen.

Ebenso wurde die Musterweiterbildungsordnung ausgiebig diskutiert, aber bezüglich der erarbeiteten Kopfteile im Wesentlichen wie vorbereitet beschlossen, so dass es weiter in die Ausgestaltung einer Kompetenzorientierten Weiterbildung gehen kann.

Konzentriert wurden eine Fülle weiterer Themen diskutiert und beschlossen: u. a. die Ökonomisierung, das Medizinstudium, Stärkung der Gesundheitskompetenz von Patienten, die Personalausstattung in den Kliniken. Aber auch Themen wie „Physician Assistent“ als Delegation fanden eine Mehrheit, wie auch neue Konzepte in der Hausarztmedizin, bei denen es um hausärztlich geleitete interprofessionelle Versorgung ging.

Das alles vor der Kulisse der wunderbaren Schwarzwaldmetropole. Erinnerungen an alte Studententage wurden wach. Wen wundert’s, dass ich noch das Wochenende „drangehängt“ habe.

Dr. med. Steffen König

Dr. med. Steffen König:

Bereits zum fünften Mal hatte ich die Gelegenheit am Deutschen Ärztetag teilzunehmen. Dieser Ärztetag war in jeder Hinsicht besonders. Zuerst möchte ich dabei die absolut reizvolle Stadt erwähnen, nicht zu groß, nicht so hektisch, nicht so standardmäßig wie die meisten deutschen Städte. Und noch etwas Besonderes: Die Wahrscheinlichkeit in Freiburg als Fußgänger von einem Fahrrad angefahren zu werden ist wesentlich höher als die, mit einem Auto zu kollidieren. Leider waren wir in erster Linie zum Arbeiten da und konnten so die Vorzüge dieser zauberhaften Stadt viel zu wenig genießen.

Die Atmosphäre dieser Stadt scheint auch den Ärztetag beeinflusst zu haben. Vor einem Jahr in Hamburg zeigten sich tiefe Gräben, welche quer durch die Deutsche Ärzteschaft zogen. In diesem Jahr war bei allen hart geführten Diskussionen, das stetige Bemühen um Lösungen zu verspüren, die allen gerecht werden.
Als Beispiel sei die Notfallversorgung erwähnt. Bei allen unterschiedlichen Ausgangslagen stand das Ringen um gemeinsame Lösungen im Vordergrund. Hier wurden Gespräche initiiert und auch schon begonnen, welche hoffentlich in den nächsten Monaten zu akzeptablen Lösungen führen werden.

Auch die Rede von Herrn Minister Gröhe passte in diesen Rahmen. Sein glasklares Bekenntnis, alles rechtlich Mögliche dafür zu tun, um das BfArM nicht zur Ausgabestelle für Mittel zur Selbsttötung zu degradieren, war für einen Politiker ungewöhnlich deutlich.

Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen wurde von unterschiedlichen Perspektiven aus beleuchtet. Das Ergebnis der Debatte kann man so zusammenfassen. „Wir müssen als Ärzte den Prozess der Digitalisierung aktiv gestalten, sonst gestaltet die Digitalisierung uns“. Die Zukunft gehört der Vernetzung. Aus dem Ländle wurde eine Modifizierung der Berufsordnung vorgestellt, die eine ausschließliche Fernbehandlung im Rahmen von genehmigungspflichtigen und zu evaluierenden Projekten gestattet. Eine abschließende Beurteilung erscheint verfrüht.

Erstaunlich ruhig ging es beim TOP „GOÄ neu“ zu. Für mich war es erstaunlich, dass bei nur wenigen Änderungen gegenüber der Vorlage des letzten Jahres und weiterhin komplett unbekannten Einzelpositionen der Gebührenordnung, der Ärztetag der Verhandlungskommission ein weitgehendes Mandat erteilte. Das sah in Hamburg ganz anders aus. Wahrscheinlich hat die Vernunft über den Drang nach Realisierung von Maximalforderungen gesiegt. Bleibt zu hoffen, dass die politische Konstellation im Herbst die neue GOÄ möglich macht. Die Novellierung der Musterweiterbildungsordnung hat einen großen Schritt nach vorn gemacht. Die Facharztbezeichnungen und Schwerpunkte wurden beschlossen. Neben der Feingestaltung stehen jetzt die Zusatzbezeichnungen zur Diskussion. Dann kann der nächste Deutsche Ärztetag die neue WBO beschließen. Ein sehr kontrovers diskutiertes Thema war die Beibehaltung des „Allgemeinchirurgen“. Das war eine teilweise emotional geführte Diskussion. Obwohl ich mich persönlich gegen die Facharztbezeichnung Allgemeinchirurgie ausgesprochen habe, komme ich nicht umhin, das eindeutige Votum des Ärztetages zum Erhalt der Bezeichnung zu akzeptieren.

Wenn ich eine Bilanz des Ärztetages ziehen will, so lautet sie folgendermaßen: Es wurde viel diskutiert, aber auch außergewöhnlich viel beschlossen. Der Ärztetag war von gegenseitigem Respekt und dem Willen zur gemeinsamen Lösung gekennzeichnet. So könnte es in Zukunft weitergehen.

Dr. med. Stephan Alder

Dr. med. Stephan Alder:

Wir als Delegierte der LÄKB fanden eine engagierte Ärzteschaft vor. Es ging um die Frage, ob und wie wir Ärzte uns zu den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation im Rahmen von Diagnostik und Therapie verhalten. Es gab eine deutliche Mehrheit für eine Öffnung zur Nutzung von Internetverbindungen, um Patienten zu erreichen, auch für Patienten, die uns Ärzte anfragen können. Befunde werden so besprochen. Die hohe Bedeutung der realen und direkten Arzt-Patient-Beziehung wurde dabei ebenso betont, wie die Vorzüge digitaler Kommunikation. Die Brandenburger Berufsordnung beinhaltet bereits jetzt schon die Regelung, dass zu Beginn einer Arzt-Patienten- Beziehung ein persönlicher Kontakt zwingend erforderlich ist. Danach können, wenn es sinnvoll ist, digitale Medien genutzt werden.

Was die ärztliche Schweigepflicht betraf, so können Ärztinnen und Ärzte mit ihren Patientinnen und Patienten durch Ermittler des BKA abgehört werden. Durch das „Gesetz zur Neuordnung des Bundeskriminalamtes – BKA-Gesetz“ vom 27.04.2017 ist ein Missstand schon seit 2009 (Telekommunikationsgesetz) gesetzlich fixiert worden, den der Präsident der BÄK, Prof. Dr. F. U. Montgomery, sowohl in der Eröffnungsveranstaltung des DÄT in Anwesenheit des Ministers Gröhe verdeutlichte, als auch der DÄT in einem Beschluss klarstellte: Die ärztliche Schweigepflicht muss umfassend gelten und darf nicht mit einem Richtervorbehalt in bestimmten Situationen (z. B. Terrorgefahr) aufgehoben werden.

Die Weiterbildungsordnung wurde heiß diskutiert. Ob es einen allgemeinen Chirurgen geben solle – (ja!), und ob die FachärztInnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie – Psychotherapie den Begriff der Psychosomatik im Titel führen dürfen. Der Antrag, der die Psychosomatik als Teil des Kinder- und Jugendlichenpsychiaters formulierte, wurde nach kontroverser Debatte an den Vorstand überwiesen. Kinderarztverbände meinten, dass zur Psychosomatik eine zweijährige kinderheilkundliche Erfahrung Voraussetzung sei und die Vertreter der (Erwachsenen-) Psychosomatik hatten die Kinder und Jugendlichen von 0 bis 18 Jahren schon für sich selbst reklamiert. Die Idee, dass es bei den Psychiatrie-Psychotherapie- Psychosomatik-Fächern um eine spezialisierte Beziehungsmedizin geht, die ein Verstehen in einem schrittweisen diagnostischen und therapeutischen Miteinander von Ärzten und Patienten beinhaltet, schien in einem Kampf um Machtansprüche verloren zu gehen. Zur GOÄ: hier gab es wohltuende Fortschritte auf Seiten der Ärzteschaft. Die zuständige Arbeitsgruppe der BÄK hat nun das Vertrauen der Delegierten erworben. Mit der erarbeiteten Fassung wird die BÄK mit der Regierung und den privaten Krankenkassen im Herbst 2017 in Verhandlung treten. Vielleicht können wir 2018 mit einer neuen GOÄ rechnen.

Und ein Wunder war geschehen: Die türkische Ärztin, Frau Prof. Fincanci, die wegen angeblicher Unterstützung von Terroristen mehrere Monate im türkischen Gefängnis war, in Wirklichkeit, weil sie verwundete Soldaten versorgte, unter denen auch kurdische Männer aus dem türkischen Bürgerkrieg waren, kam unerwartet frei. Eine ärztliche Kollegin und Menschenrechtlerin, Dr. Sera Küni, ist weiter angeklagt und benötigt unsere Hilfe. Sie konnte auf dem Deutschen Ärztetag in Freiburg zu uns sprechen! Wir dankten ihr mit unserer Anteilnahme und unserem Applaus.

Dr. med. Jürgen Fischer

Dr. med. Jürgen Fischer:

Neben einer Vielzahl von unterschiedlichen Themen, die sich in den einzelnen Anträgen der Delegierten widerspiegelten und in den Sitzungen diskutiert und abgestimmt wurden, gab es auch in diesem Jahr wieder einige Tagungsordnungspunkte, die man sehr ausführlich behandelte.

Zu diesen Punkten zählte die Regelung der Notfallversorgung zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Es ist eine mittlerweile von allen Seiten anerkannte Tatsache und ein zunehmendes Problem, dass immer mehr Patienten die Notfallaufnahme der Krankenhäuser in Anspruch nehmen, obwohl sie ebenso gut von einem niedergelassenen Arzt versorgt werden können. Es wurden in den Diskussionsbeiträgen zahlreiche Vorschläge gemacht, wobei klar war, dass im Rahmen eines Ärztetages keine einvernehmliche Lösung dieses sehr komplexen Problems gefunden werden kann. Schon in seiner Eröffnungsrede hatte Professor Montgomery vorgeschlagen, unter der Vermittlung der BÄK einen Runden Tisch einzuberufen, an dem Ärzte aus dem stationären und dem ambulanten Bereich gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Kostenträgern eine Lösung entwickeln könnten.

Der zweite Tag widmete sich dem Thema „Digitalisierung im Gesundheitswesen“. Nach dem Eingangsreferat von Dr. Bartmann, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer, waren es besonders die Vorträge von Sascha Lobo und Frau Prof. Woopen die klar machten, dass sich die Ärztinnen und Ärzte viel mehr als in der Vergangenheit mit diesen Themen beschäftigen und sich diesen vor allem auch öffnen müssen, wenn sie nicht feststellen wollen, dass der Zug an ihnen vorbeigefahren ist. Es gab im Anschluss eine breite Diskussion zu den unterschiedlichsten Themen von der elektronischen Gesundheitskarte bis zu einem Modellversuch der Landesärztekammer Baden-Württemberg mit telemedizinischer Behandlung. Gerade beim Thema „Telemedizin“ wurde aber deutlich gemacht, dass auch hier als oberstes Prinzip gelten muss, dass diese Instrumente dem Patienten keineswegs schaden dürfen und einen deutlichen Vorteil zu herkömmlichem Handeln beinhalten müssen.

Der mit Spannung erwartete Tagungsordnungspunkt des dritten Tages war dem Sachstand der Neuordnung der GOÄ gewidmet. Wie der Vorsitzende des Ausschusses „Gebührenordnung“ der Bundesärztekammer, Dr. Reinhardt, berichtete, ist der überwiegende Teil der neuen GOÄ zwischen der BÄK, dem Verband der privaten Krankenversicherungen und den Beihilfeträgern inzwischen konsentiert. Im Gegensatz zum letzten Ärztetag und insbesondere zum Sonderärztetag im vergangenen Jahr gab es diesmal unter den Delegierten überwiegend Zustimmung zu den bisher erreichten Verhandlungsergebnissen.

Der vierte Tag war der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung gewidmet. Auch hier sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen, obwohl wieder klar wurde, wie mühsam der Abstimmungsprozess zwischen der BÄK, den einzelnen Landesärztekammern sowie den Fachgesellschaften und Verbänden ist.

Insgesamt waren die Diskussionen auf dem diesjährigen Ärztetag nach meiner Einschätzung konstruktiv und haben deutlich gemacht, wie wichtig der Meinungsaustausch für die Ärzteschaft ist.

Dr. med. Klaus-Friedrich Bodmann

Dr. med. Klaus-Friedrich Bodmann:

Aus meiner Sicht wurden wichtige Debatten im Rahmen des 120. Deutschen Ärztetages in Freiburg zu den Themen Digitalisierung, GOÄ und Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung geführt.

Die Digitalisierung wird auch an der Arzteschaft nicht vorbeigehen. Wichtig ist, dass wir uns in die Diskussion einbringen und einen breiten Kenntnisstand über die Möglichkeiten der Digitalisierung entwickeln. Nur so können wir auch zukünftig unter Fokussierung des individuellen Arzt/Patienten-Verhältnisses unsere Patienten effizient versorgen.

Die Diskussion um die Novellierung der GOÄ verlief erfreulich sachbezogen und weniger emotionsgeladen als im letzten Jahr. Insbesondere Punkt 12 des Leitantrages des Vorstandes der Bundesärztekammer zur Novellierung der GOÄ wird dazu führen, je nach Ausgang der Bundestagswahlen, dass die jetzigen Arbeiten und ärzteseits akzeptierten Kompromisse nicht Pate für eine einheitliche Gebührenordnung stehen können, die von einigen Parteien gefordert wird.

Das Mammutprojekt Novellierung (Muster-)Weiterbildungsordnung konnte mit einem guten Zwischenbericht abgenommen werden. Die derzeit konsentierten Kompetenzinhalte aller Fachgebiete wurden vom Ärztetag goutiert. Nun geht es darum, in einem letzten Schritt den Paragraphenteil der (Muster-) Weiterbildungsordnung sowie die Zusatzweiterbildungen zu definieren.

Der Ärztetag ist aus meiner Sicht eine hervorragende Plattform, um sich als Ärztin/Arzt in die berufspolitische Ausgestaltung unserer Arbeitsbedingungen einzubringen.

Dr. med. Katharina Weinert

Dr. med. Katharina Weinert:

Für mich war der 120. Ärztetag in Freiburg, der erste an dem ich teilnehmen durfte. Schon vor der eigentlichen Eröffnung des Ärztetages am Dienstag, fand am Montagnachmittag eine Veranstaltung für junge Ärzte zum Thema Digitalisierung in der Medizin statt. Zahlreiche junge Kollegen, überwiegend noch in Weiterbildung, aus allen Teilen Deutschlands, diskutierten drei Stunden engagiert. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass diese Generation mehr Chancen als Risiken in der Digitalisierung sieht und es zeigte sich auch, dass die jungen Ärzte sich aktiv in die zukünftige Gestaltung dieser neuen Wege einbringen wollen. Mehrfach wurde die Hoffnung benannt, dass durch den Ausbau der digitalen Kommunikation zwischen Ärzten, vor allem auch sektorenübergreifend, eine Verbesserung der Patientenversorgung stattfinden könnte. Einen großen Raum nahmen darüber hinaus auch der Wunsch und die Hoffnung ein, dass sich die Weiterbildungsbedingungen unter anderem durch das elektronische Logbuch und „Online- Fortbildungen“ verbessern könnten.

Nach einer für mich imposanten Eröffnungsveranstaltung in der Freiburger Konzerthalle, folgten 3,5 Tage mit engagierten Diskussionen im Plenum der Delegierten. Dabei empfand ich die Stimmung im Saal als relativ harmonisch. Wichtige Themen wie die Abstimmungen zu den bisher verhandelten Reformschritten bei der Novellierung der GOÄ zeigten letzten Endes eine große Einigkeit unter den Delegierten. Auch die Novellierung der Musterweiterbildungsordnung konnte vorangebracht werden. Diese soll nun kompetenzorientierter und weniger nach Richtzahlen und Zeiten ausgerichtet werden. Inwieweit das im Alltag praktikabel umsetzbar ist, wird sich zeigen, denn die Inhalte im Detail müssen noch verhandelt werden. Ziel soll es sein, eine abstimmungsfähige „Komplettversion“ bis zum Ärztetag 2018 in Erfurt zu erarbeiten – ich würde mich freuen, wenn dies gelingt.

Ein weiteres wichtiges Thema für Brandenburg sowie für mich persönlich war die zukünftige Gestaltung der Notfallversorgung. Abschließend bleibt festzuhalten, dass der Vorstand der Bundesärztekammer sehr viele zukunftsweisende Anträge zur weiteren Bearbeitung und Umsetzung von den Delegierten erhalten hat. Ich bin gespannt, welche Ergebnisse daraus im nächsten Jahr präsentiert werden können.

Dipl.-Med. Silke Felgentreff

Dipl.-Med. Silke Felgentreff:

Dieser Ärztetag war durch einen beeindruckenden Auftakt und sehr konstruktive Arbeit gekennzeichnet. Es war auch nach Einschätzung von BÄK-Präsident Montgomery einer der arbeitsreichsten Ärztetage.

In der Eröffnungsrede von Minister Gröhe ging dieser auf die erfolgreiche Arbeit der letzten vier Jahre ein. Wie es aber vor einer Wahl üblich ist, gab es nichts Konkretes darüber, woran man weiter arbeiten sollte, sondern es wurden eher Wünsche formuliert, wie es weitergehen könnte.

Die Tage in Freiburg waren durch ein immenses Arbeitspensum geprägt. Reichlich Gesprächsstoff gab es zu der derzeitigen Notdienstsituation, die in allen Regionen ein großes Problem darstellt. Zum Thema der Digitalisierung gab es einen super Einstieg durch Sascha Lobo, Journalist, Blogger und Entertainer. Auch er wies auf die vielen, noch ungeklärten Fragen hin, die mit der zunehmenden Digitalisierung auch für Patienten und die Gesamtheit der gesammelten Daten entstehen können. Derzeit ist alles noch mit vielen Fragezeichen verknüpft, aber ja, die Ärzteschaft hat sich für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen entschieden und für die aktive Mitgestaltung durch die Ärzte, um soweit wie möglich sichere und patientenorientierte Rahmenbedingungen zu schaffen. Was das konkret bedeutet, muss abgewartet werden, aber der Startschuss ist gefallen.

Mit dem Auftrag an die BÄK, die GOÄ-Novelle unter den diskutierten und festgelegten Bedingungen weiter zu verhandeln und mit der Einbeziehung ärztlicher Verbände und wissenschaftlicher Fachgesellschaften, soll die GOÄ endlich zu einem möglichen Abschluss gebracht werden, was auch laut Minister Gröhe sicher nicht vor dem Ende des Jahres sein wird. Ich war in Bezug auf die GOÄ sehr zufrieden, dass es trotz heftiger Diskussionen doch ein einheitliches Votum für den derzeitigen Entwurf gab.

Für mich war auch noch einmal sehr wichtig, dass am Masterplan 2020 zur Reform des Medizinstudiums unter Einbeziehung der Studierenden dringend weitergearbeitet werden muss. Es scheint mir geboten, sich den veränderten Bedingungen schnell anzupassen.

Für die Diskussion zur MWBO war ein ganzer Tag veranschlagt, was auch notwendig war, denn es gab sehr viel Redebedarf und Befindlichkeiten auf allen Seiten. Es zeigte sich, wie wichtig es ist, weitere Konkretisierungen vorzunehmen und Dinge nachzubessern. Mich hat erstaunt, dass auch bei Fragen für ein eher kleines Fachgebiet, die ich gemeinsam mit verschiedenen Kollegen eingebracht habe, unwahrscheinlich viel Lobbyarbeit nötig ist, damit überhaupt eine Chance besteht, zunächst Dinge anzusprechen und letztlich zu erreichen, dass sich der Vorstand der BÄK damit beschäftigt. Dennoch wurde der Rahmen der MWBO verabschiedet, so dass es jetzt weitergehen kann und die BÄK die Bedingungen, die in den Rahmen passen, klären muss, um sie im nächsten Jahr zur Abstimmung auf dem DÄT in Erfurt vorzulegen.

Positiv dabei ist zu erwähnen, dass es ein deutliches Votum für den Erhalt des „Facharztes für Allgemeinchirurgie“ und des „Facharztes für Hygiene und Umweltmedizin“ gab. Damit werden auch kleine Krankenhäuser in der Lage bleiben, eine Versorgung der Patienten zu ermöglichen.

Alles in allem war es eine erfolgreiche Arbeit und ein wirklich gelungener Ärztetag. Sehr gut war aus meiner Sicht, dass es möglich war, alle Anträge zu diskutieren und in einem vorgegebenen Zeitrahmen abzustimmen. Problematisch erlebte ich den Dienstag, an dem in vier Stunden fast 200 Anträge eingereicht wurden, von denen nicht alle im Vorfeld der Diskussion durch die Delegierten gelesen werden konnten, da das WLAN nicht zuverlässig verfügbar war und alles auf Papier gedruckt und verteilt werden musste. Auch das sind Probleme einer Digitalisierung, wie sie schon jetzt real existiet.

Mit den Delegierten sprach: Anja Zimmermann M.A. | Fotos: Thomas Kläber, Anja Zimmermann M.A., privat