Systemprüfung fehlgeschlagen!
Diese Website verwendet JavaScript.
In Ihrem Browser ist dies nicht aktiviert.
Oder es kam zu einem Fehler in der Verarbeitung.
In diesem Fall aktualisieren Sie ihren Browser, um die Seite neu zu laden.

Erfolgsgeschichte

50 Jahre Manuelle Medizin im Land Brandenburg

Anleitung zur Untersuchung der Rückenmuskulatur, 
Foto: Anja Zimmermann M.A.

Die Manuelle Medizin/Chirotherapie ist seit Jahrzehnten eine etablierte Zusatzbezeichnung in der Deutschen Ärzteschaft. Erste Kurse für Manuelle Medizin wurden im Jahr 1966 in Berlin/ Brandenburg durchgeführt. Federführend war dabei der Neurologe Dr. Jochen Sachse in Zusammenarbeit mit der sogenannten „Prager Schule“ von Prof. Karel Lewit und Prof. Vladimir Janda. In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus eine eigenständige „Berliner Schule“. Merkmale dieser Berliner Schule waren frühzeitig die Anwendung weicher Mobilisationstechniken blockierter Gelenke neben den Manipulationen, eine genauere Diagnostik von Muskelbefunden sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Physiotherapeuten. Nach der Deutschen Einheit wurde aus der bisherigen Arbeitsgemeinschaft Manuelle Therapie der Gesellschaft für Physiotherapie die Ärztevereinigung Manuelle Medizin e. V. (ÄMM) innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM).

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Manuelle Medizin deutlich weiterentwickelt und umfasst Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie. Sie wird in den verschiedensten Fachgebieten angewendet, bevorzugt in der Orthopädie/ Unfallchirurgie, Physikalischen und Rehabilitativen Medizin und Allgemeinmedizin, aber auch zunehmend in der Neurologie, Neurochirurgie, HNO, Pädiatrie usw.
Die Manuelle Medizin vermittelt funktionelle Untersuchungstechniken und ein funktionspathologisches Denken in der Ärzteschaft, um konservative Therapieansätze im Stütz- und Bewegungssystem zu erweitern. Basiskenntnisse in Manueller Medizin sind jedoch auch aus rein diagnostischer Sicht sehr hilfreich.

Osteopathische Verfahren (OV)

Osteopathische Verfahren sind in den letzten 20 Jahren innerhalb und neben der Manuellen Medizin zunehmend in den Blickwinkel von Ärzten und therapeutischen Berufen getreten. Die osteopathischen Verfahren sind eine Erweiterung in der Manuellen Medizin. Hier werden zusätzlich Funktionspathologien, Spannungszustände und Adhäsionen innerer Organe und bindegewebiger Trennschichten untersucht und behandelt. Insgesamt sind die verschiedenen Arten des Bindegewebes und der Faszien in den letzten Jahren vermehrt Gegenstand der medizinischen Grundlagenforschung.

Die „Osteopathie“ erlebte in den vergangenen Jahren in den Medien einen gewissen Hype. Das wurde noch verstärkt, indem einige gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten zusätzliche Kostenübernahmen für osteopathische Leistungen gewährten. Dies führte zu Fehlanreizen und Verwerfungen gegenüber den regulären Heilmittelbudgets niedergelassener Ärzte.

Die Bundesärztekammer nahm bereits im Jahr 2009 eine „Wissenschaftliche Bewertung osteopathischer Verfahren“ auf rationaler und wissenschaftlicher Basis der Schulmedizin vor (veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, Heft 46/2009). Diese Bewertung ist weiterhin aktuell und eine gute Grundlage für ärztliche und berufspolitische Entscheidungen. In diesem Papier wird auch die Möglichkeit einer ärztlichen Verordnung und Delegierbarkeit an entsprechend qualifizierte Physiotherapeuten beschrieben.

Strukturierte ärztliche Weiterbildungen und Fortbildungen

Die Facharztweiterbildung folgt auf das Medizinstudium. In dieser Weiterbildung ist bei einigen Facharztrichtungen die Manuelle Medizin integriert bzw. erwünscht (z. B. Physikalische und Rehabilitative Medizin, Orthopädie/Unfallchirurgie). Bei anderen Fachrichtungen werden Facharztvorbereitungskurse über die LÄK Brandenburg durchgeführt. Im Fachgebiet Allgemeinmedizin wird in diesem Vorbereitungskurs ein Seminar mit vier Stunden für praktische Untersuchungstechniken und einfache Handgriffe in der Manuellen Medizin angeboten. Auch in einigen Zusatzbezeichnungen, wie z. B. in der Speziellen Schmerztherapie“ sind Grundtechniken der Manuellen Medizin im 80-Stunden-Kurs integriert. Schwerpunkt ist dabei die Vermittlung eines klinischen Untersuchungsganges und einfacher diagnostischer Techniken.

Anschließend können die Ärzte selbst entscheiden, ob sie die gesamte Ausbildung Manuelle Medizin (320 Unterrichtseinheiten) beginnen wollen. Aufbauend auf die Fortbildung Manuelle Medizin können dann ggf. die osteopathischen Verfahren als zertifizierte strukturierte currikuläre Fortbildung (160 Unterrichtseinheiten) bei einem anerkannten Fortbildungsträger angeschlossen werden.

Für die Erlangung der Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin ist eine Prüfung bei der Landesärztekammer notwendig. Das Zertifikat Osteopathische Verfahren kann bei der LÄK Brandenburg beantragt werden.

Dieses Vorgehen wurde bei einer Sitzung des Vorstandes der Brandenburger LÄK im Mai 2015 ausgiebig diskutiert und beschlossen. Damit folgt die LÄK Brandenburg den von der Bundesärztekammer empfohlenen Qualifizierungswegen für Manuelle Medizin und osteopathische Verfahren.

Text: Dr. med. Volker Liefring, Chefarzt der Sana-Rehabilitationsklinik Sommerfeld, FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Lehrer für Manuelle Medizin und Osteopathische Verfahren an der ÄMM
Foto: Anja Zimmermann M.A.